KLANK > JOUR FIXE

Fröhliche Wissenschaft: Gemeinsam mit Gästen beschäftigt sich KLANK spielend und sprechend mit künstlerisch-politischen Fragen zur Gegenwart.

Jour fixe ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von

KLANK, S.Y.L.K.E. e.V. und Gerhard-Marcks-Haus Bremen.

 

 

Do., 21.3.2019, 19 Uhr, Gerhard-Marcks-Haus Bremen>

JOUR FIXE #1

Marokkanisches Memorieren + Speicher mit Stationen

Gast: Mario Fuhse

 

Platz machen! Im Jour fixe #1 präsentiert KLANK am 84. Geburtstag Hubert Fichtes den Hamburger Literaturwissenschaftler und Hubertfichteafficionado Mario Fuhse - und natürlich sich selbst.


Gemeinsam mit Gästen nähert sich KLANK mit den Jour fixes im Gerhard-Marcks-Haus sprechend und spielend und X künstlerisch-politischen Fragen der Gegenwart.

 

Diesmal wandeln KLANK + Fuhse an der Grenze zwischen von folkloristischem Blick und Vollmoderne, der nicht zuletzt auch die derzeit bei Marcks sichtbare Retrospektive der Bildhauerin Luise Kimme strukturiert.

 

Mario Fuhse wird 1967 in Stolzenau an der Weser geboren, studiert Kunst- und Germanistik in Bremen, arbeitet als Lehrer, Coach und Autor in Hamburg,promoviert an der Queen Mary University in London, schreibt und veröffentlicht Texte zu Literatur und Kunst.

 

Weiterführende Literatur

zum Thema des Abends:

Der Platz des Platzes

Zu Hubert Fichtes Roman

Der Platz der Gehenkten, Hamburg 2014.

 

 

 

Do., 18.4.2019, 18.30 Uhr, Gerhard-Marcks-Haus Bremen>

JOUR FIXE #2 - System und wie es die Welt sah

Gast: Eike Kroner

 

Dieses System ist beliebig erweiterbar, hat KLANK einmal ein Stück betitelt. Passenderweise handelte es sich um ein Stück, das seine Form erst im Machen fand. Handlung als Formgebung. In Echtzeit, sozusagen.

 

Wie erweiterbar ist ein System eigentlich? Wann hört es auf, ein System zu sein? Und was ist es dann? Aus gelegentlich gemeinsamen, mitunter auch sehr verschiedenen Frage- & Beweggründen beschäftigen sich sowohl die Philosphie als auch die Musik mit Systemen. Denksystemen, Systemen der Praxis.

 

Für Jour fixe #2 hat KLANK den Bremer Philosophen Eike Kroner hinzugebeten. Gemeinsam betrachten sie offene, geschlossene, stilbildende, vergangene, nicht vorhandene, scheinbar nicht vorhandene, flexible, starre und allerlei andere System. Gemeinsam - und jeweils weit über den eigenen professionellen Tellerrand hinaus. Dabei geht es um Freiheiten, Notwendigkeiten, Beobachtungsszenarien und Formgebungsverfahren, die Weltsichen herausfordern und heraus fordern.

 

Ein möglicher Hintergrund dieses Zusammentreffens ist DIE GRÖSSTE KRAFT, ein Arbeitszusammenhang (auch) über die (Un)Möglichkeiten einer Massenbewegung in der BRD ca. 2019. Immer wieder werden Jour fixes als dramturgische Zwischenschritte & Was-Wissen-Wollen-Runden programmiert und genutzt. Ein Selbstlernsystem, gewissermaßen. Schlussendlich wird DIE GRÖSSTE KRAFT im Winter 2019/2020 in ein Konzertstück mit Chor, ein Radiohörstück sowie eine elektroakustische szenische Konzertinstallation münden (letztere dann im Dezember 2019 im Gerhard-Marcks-Haus Bremen).

 

Eike Kroner, geboren 1992 in Bremen,

studiert Philosphie an der Universität Bremen.

 

Er ist ein guter Hörer (was fast selbst schon ein Beruf ist) und arbeitet derzeit unter dem Titel

Die Wonne und der Begriff zur Bedeutung der Form in der Philosophie.

 

 

 

 

 

 

 

 

Do, 26. September, 18.30 Uhr, Gerhard-Marcks-Haus Bremen, Am Wall 208

 

JOUR FIXE #3 - Rück-Aus-Blicke + Libanon

Gäste: Sharif Sehnaoui / Tony Elieh

 

Fröhliche Wissenschaft! Gemeinsam mit Gästen betrachtet das Bremer MusikAktionsEnsemble KLANK in unregelmäßig-regelmäßigen jour fixes notorische politisch-ästhetische Fragen der Gegenwart. Dabei werden aktuelle musikalische Überlegungen von KLANK gezielt ins Gespräch gebracht mit künstlerischen und wissenschaftlichen Positionen der Gäste. Das mutet mal wie ein Konzert an, dann wieder wie eine Installation, dann wieder wie ein Podium. jour fixe #3 beschäftigt sich in mancher Hinsicht mit Rück-Blicken. Wie kann man mit künstlerischen Vergangenheiten auf die gegenwart schauen? Und wie lässt sich aus versuchsweise de-kolonisierter Perspektive zentraleuropäisches Musikschaffen noch einmal ganz anders und neu lesen.


Beim Jour fixe #3 kommt es zu einer Begegnung von KLANK mit dem Sehnaoui/Elieh (Libanon).

Gemeinsame Improvisationen werden dabei mit Gesprächen über Perspektiven auf Geschichte und Geschichten, verschiedene Szenen und Weltgegenden - und die Bedeutung der Musik in der wechselvollen Entwicklung der libanesischen Gesellschaft(en) vermischt.


Sharif Sehnaoui und Tony Elieh sind zwei der aktivsten Musiker der libanesischen Experimentalszene, die sich auch im Umfeld von „Irtijal“ bewegen, einem jährlichen internationalen Festival, das seit fast 20 Jahren in Beirut stattfindet.
Während Sehnaoui aus der Jazz- und Improvisationsszene stammt und mit Mazen Kerbaj und Raed Yassin im "A" -Trio zusammenarbeitet und dabei eine Musik entwickelt, die manchmal als "textural swing" bezeichnet wird, ist Elieh in erster Linie Rockmusiker und ein Gründungsmitglied der Libanon Post-Punk-Band Scrambled Eggs, deren Arbeit in den letzten zehn Jahren viele Richtungen vom Pop-Rock bis zum Experiment umfasste

 

 

Do., 12. Dezember 2019, 18.30 Uhr, Gerhard-Marcks-Haus, Am Wall 208, Bremen

JOUR FIXE #4 - RECHT + MASSE

Gast: Fabian Steinhauer> (Frankfurt)

 

Netz, Knoten, Entflechtung. Das Bremer MusikAktionsEnsemble untersucht konzertante und politische Verhältnismäßigkeiten zwischen den Polen Einzelne*r und Masse. Was hat sich seit der Konstruktion von Massen und Bewegungen im russischen Avantgardekino oder den Analysen der Massenpsychologie im Hier und Jetzt verändert? Wie stellt sich eine Masse sich selbst vor? Und wie stellt man das dann dar?

 

Im Rahmen eines umfangreichen Arbeitsschwerpunkts widmet sich KLANK 2019 / 2020 den Wirkungs- und Darstellungsweisen von Massen. Handlungsleitend sind dabei zwei Fragen: Einerseits danach wie sich Massen angesichts technischer, medialer und politischer Entwicklungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts verändert haben (Stichworte: Post-Fordismus, Ich-AG, Soziale Medien). Zum anderen ist da die Frage nach der Kunst: wie geht man damit um, wie reflektiert man das, wie stellt man das denn dar?

 

Künstlerischer Output dieser Denkbewegungen und Überlegungen sind ein umfangreiches Konzertstück, ein Stück Radiokunst sowie – beim schon fast traditionellen Dezemberkonzert in Zusammenarbeit mit dem Bremer Bildhauermuseum Gerhard-Marcks-Haus – eine diskursive Konzertinstallation.

 

Seit langem gehört es zur musikalischen Arbeit von KLANK, dass sie über das musikalische hinausgeht. Immer wieder geht das Ensemble von gesellschaftlich politischen Fragestellungen aus – um Ergebnisse dieses Nachdenkens dann in ganz verschiedenen Formaten zu veröffentlichen. Das kann ein Konzert sein, ein salonartiger Dialog, ein Musiktheater oder (wie etwa bei der Installation DIE KLANK-LOGIK im vergangenen Jahr, ebenfalls bei & mit Marcks) eine Mischung aus Ausstellung, Uraufführung, Diskurs und Zeitschriftenproduktion.

 

Mit dem JOUR FIXE #4: RECHT + MASSE betitelten Bremer Teil der Trilogie über Bewegungs-Kräfte präsentiert KLANK eine ebenso konzertante wie diskursive Installation: In akustischer Auseinandersetzung mit der immer noch überraschend neuen Tonspur von Pudowkins Film Desertr (1933) diskutiert das MusikAktionsEnsemble ältere avantgardistische Konstruktionsprinzipien von Masse und Bewegung. In Auseinandersetzung mit den geschlossenen Kreisläufen gegenwärtiger Beobachtungsszenarien wie CCTV thematisiert KLANK die Splitscreens der Gegenwart. In Auseinandersetzung mit aktuellen Aufnahmetechniken ver-gegenwärtigt das Ensemble qua Selbstorchestrierung die Logik der „Vermassung“ Einzelner. In Auseinandersetzung mit der An/Abwesenheit von klanglich vorhandenen Akteuren untersucht KLANK die Bedeutung des Raums für Massen-Ereignisse. In Auseinandersetzung mit verschiedenen konzertanten Spielweisen fragt KLANK nach der In-Form-Bringung von Musik, Musikern und Publikum gleichermaßen. Und im Dialog mit dem Rechtswissenschaftler und Filmexperten Fabian Steinhauser (Frankfurt) kommen die vier Musiker nochmal auf den (auch) ausschlaggebenden frühen russischen Film zurück: Was ist hier über das Verhältnis von Staat, Kunst und gesellschaftlicher Entwicklung zu erfahren? Und wie müssen/können diese Erfahrungen angesichts veränderter (und sich beständig verändernder) gesellschaftlicher Verhältnisse nochmal neu gedacht werden.

 

Fabian Steinhauer ist Privatdozent an der Goethe-Universität in Frankfurt und lehrt an den Universitäten in Gießen und Basel.

Seine Forschungen befassen sich mit Recht und Kulturtechniken. Als Teil der Rechts- und Medienwissenschaften werden sie von der Frage angeleitet, wie, also mit welchen Mitteln und Techniken, das Wissen um Recht und Gesetz geteilt und übertragen werden.

Derzeit arbeitet er u.a. über einen sowjetischen Film von 1926 (Kollektiv Kuleshov, Po Sakonu). Der Film heißt in der deutschen Übersetzung „Nach dem Gesetz“. Es ist der ‚letzte Revolutionsfilm‘ und zugleich der einzige, der im Anschluss an Lenins „Staat und Revolution“ die Frage stellt, was nach dem Gesetz folgt. Das Forschungsprojekt überlegt, inwiefern dieser Film Teil einer modernen Geschichte und Theorie des Gesetzes ist